Deutschlandstipendium

 

Die GdFFGesellschaft der Freunde und Förderer des Fachbereichs Sozialökonomie (vormals HWP) e.V.
fördert im Jahr 2018 fünf Studierende mit und ohne Migrations-/Fluchterfahrungen im Rahmen des Deutschlandstipendiums.
Weitere Infos gibt es außerdem im Informationsflyer der Universität Hamburg.

An dieser Stelle werden wir im laufenden Jahr weitere Informationen veröffentlichen und auch ›unsere‹ StipendiantInnen zu Wort kommen lassen. Das erste Treffen fand im Rahmen der Verleihungsfeier am 31. Januar 2018 statt.

 


 

Unsere StipentiatInnen

 

Charlotte Josam

Als ich mein Abitur in der Hand hatte, war ich zunächst einmal recht planlos, was ich mit meiner Zukunft anfangen sollte. So entschied ich mich zuerst für den Studiengang Marketing und Technische BWL an der HAW Hamburg. Nach zwei Semestern merkte ich dann allerdings, dass der Bereich Marketing mir nicht so sehr gefällt und ich mich nicht von vornherein auf eine Branche festlegen möchte. Außerdem fehlte mir sehr der gesellschaftswissenschaftliche Teil in meinem Studium. Somit wechselte ich an die Universität Hamburg und fing den Bachelor Sozialökonomie an.
   Zur gleichen Zeit begann ich auch, im Vorstand der Studentenorganisation AIESEC zu arbeiten, was mir unglaublich viel Spaß gemacht hat und wobei ich sehr viel lernen konnte. Ich war die Teamleiterin eines zehnköpfigen Teams und wir betreuten gemeinsam ca. 20 Partnerunternehmen (hauptsächlich Start-Ups) in Hamburg, an die wir ausländische Praktikanten vermittelten. Ich war dankbar, dass ich mein Studium zeitlich sehr flexibel gestalten konnte, so dass ich unter der Woche zahlreiche Firmentreffen besuchen konnte und am Wochenende oft Konferenzen oder Workshops besuchte. Durch die Kontakte von AIESEC fing ich als Werkstudentin im Start-Up Sonormed GmbH an, wodurch ich die Welt der Unternehmensgründer noch besser kennenlernen konnte.
   AIESEC ist zudem der größte Jugendpartner der UN, wodurch ich die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen viel besser kennengelernt habe und ich anfing, mich für diesen Arbeitsbereich zu begeistern. Somit stand meine Entscheidung fest, dass ich in meinen Semesterferien nach New York reisen wollte, um mit einer internationalen Projektgruppe Projektideen für die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN zu entwickeln. Wir waren ein Team mit 20 Personen aus 16 verschiedenen Ländern und entwickelten eine Idee, wie man die Townships in Südafrika besser aufbauen könnte mit einer stärkeren Rücksichtnahme der Bedürfnisse der Menschen, die dort leben. Diese Idee wurde von verschiedenen Organisationen unterstützt und der Prototyp wurde ein dreiviertel Jahr später in Durban (Südafrika) umgesetzt.
   Nach diesem ersten spannenden Jahr an der Uni Hamburg begann mein Auslandsjahr, in dem ich zuerst ein Semester in Prag und danach ein Semester in Südafrika verbrachte. Beide Semester waren unglaublich bereichernd für mich. Insbesondere die Erfahrungen in Südafrika waren sehr prägend für mich und meinen weiteren Werdegang. Von Anfang an waren die großen sozialen Ungerechtigkeiten schwer für mich zu ertragen und ich empfand es als schwierig, einen guten Weg zu finden damit umzugehen. Es ist deutlich spürbar, dass die Auswirkungen der Apartheid noch nicht verschwunden sind, insbesondere nicht in Stellenbosch, wo ich studiert habe. Ich entschloss mich dazu, beide Seiten möglichst gut kennen und verstehen zu lernen. Somit besuchte ich nicht nur die Uni mit all ihren angebotenen Aktivitäten, sondern engagierte mich auch in einem Projekt an einer Schule in der anliegenden Township und arbeitete 1-2 Tage die Woche in der NGO ›Women on Farms Project‹, welche sich für Frauen- und Arbeitsrechte auf Farmen einsetzt. Hauptsächlich arbeitete ich dort an einem Research Bericht über die Arbeitsrechtverletzungen auf Weinfarmen, welcher von Oxfam Germany und dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt wurde. Diese Erfahrungen haben mir deutlich gezeigt, dass ich später in der internationalen Zusammen- und Entwicklungsarbeit arbeiten möchte.
   Um etwas Erfahrungen in der Arbeit von internationalen Organisationen zu sammeln, begann ich im Anschluss meines Auslandssemester ein Praktikum in der EU Organisation ›European Institute of Innovation and Technology‹ an dem Standort Berlin. Diese setzt sich in verschiedensten Projekten für die Digitalisierung Europas ein.
   Zum Abschluss kann ich sagen, dass mir das Studium der Sozialökonomie sehr viel Freiheit gegeben hat und ich dadurch die Möglichkeit bekam, mich auszutesten und nun auch einen Bereich gefunden habe, in dem ich gerne arbeiten möchte. Ich konnte viele Erfahrungen in verschiedenen Bereichen sammeln und gleichzeitig mir relativ frei einen individuellen Kursplan zusammenstellen, der zu meinen Interessen passt. Im Anschluss möchte ich auf jeden Fall noch einen Master machen, gerne Volkswirtschaftslehre mit einer Spezialisierung auf Entwicklung.

 


 

Mohammed Abd Alhafeez

Anfang des Jahres 2014 kam ich nach Deutschland und arbeite seither motiviert an meiner Integration: Spracherwerb, Fortbildungen sowie ehrenamtliches Engagement sind hierbei für mich selbstverständlich. 2016 habe ich in einem Orientierungskurs (›UHH hilft‹) in der Uni Hamburg teilgenommen und dort habe ich über den Fachbereich Sozialökonomie informiert und es hat mir sehr gut gefallen.
   Ich habe zum Wintersemester 2017/2018 das Studium der Sozialökonomie an der Universität Hamburg aufgenommen. Dabei bin ich besonders stolz, seit diesem Jahr Träger des Deutschlandstipendiums zu sein. Durch die Unterstützung kann ich meine Zeit in meinem Studium investieren. Und so möchte ich allen Stipendiengebern und insbesondere der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Fachbereichs Sozialökonomie (vormals HWP) e.V. (GdFF) Verein ganz herzlich dafür danken.
   Ich finde der Fachbereich sehr interessant und vielfältig, er setzt sich aus den vier Fachgebieten Betriebswirtschaftslehre, Soziologie, Recht und Volkswirtschaftslehre zusammen. Außerdem bietet der Studiengang eine gute Grundlage für eine spätere Berufstätigkeit sowie für die Fortsetzung des Studiums in einem Masterstudiengänge.

 


 

Tarek Alkelany (23)

Ich studiere Medizin im zweiten Semester an der Universität Hamburg und bin seit Dezember 2017 Stipendiat des Deutschlandstipendiums.
   Bevor ich über mein Studium berichte möchte ich noch etwas über mich erzählen. Ich komme ursprünglich aus Damaskus in Syrien. Dort habe ich die Hochschulreife erworben, mit einer Endnote von 1,0. 2015 bin ich nach Deutschland gekommen. Seitdem habe ich mehrere Deutschkurse belegt und Prüfungen abgelegt, damit ich endlich mein Traumstudium, Medizin, aufnehmen konnte.
   Der Grund, warum ich Medizin studieren möchte, liegt vermutlich daran, dass ich aus einer Medizinerfamilie komme und daher ein anderes Fach für mich nie in Frage kam.
   Das Medizinstudium an der Universität Hamburg ist ein integrierter Modellstudiengang, d. h. der theoretische ist in den klinischen Teil integriert. Jedes Semester ist in zwei Module geteilt und jedes Modul dauert zwischen 5–6 Wochen. Während des Moduls haben wir alle zwei Wochen ein Testat und am Ende des Moduls gibt es eine mündliche Prüfung und letztendlich die Klausur. Das Studium gefällt mir wegen des Studienaufbaus, weil Theorie und Praxis parallel gelehrt werden. Es ist aber für mich als ausländischem Studierenden besonders anstrengend, da ich naturgemäß noch sprachliche Schwierigkeiten habe. Wegen des umfangreichen Studiums und der damit verbundenen Lern- und Nacharbeit (Bibliothek, Praktika, Seminare) bleibt für andere Aktivitäten, z. B. Nebenjob, keine Zeit. Ich bin daher sehr froh und dankbar, das Stipendium zu bekommen.
 


 

Adnan Hariri (23)

Ich komme aus Aleppo, Syrien, wo ich 2012 mein Abitur mit einer 1,1 abgeschlossen und anschließend mein Medizinstudium an der Uni Aleppo begonnen habe. In meiner damaligen Studienzeit versuchte ich, trotz des Krieges und den mit ihm verbundenen Gefahren immer beste Leistungen zu erbringen. Bedauerlicherweise musste ich 2015 wegen der eskalierenden Situation und der lebensbedrohlichen Umstände in Aleppo mein Studium abbrechen und war gezwungen, Syrien zu verlassen.
   Als ich in Deutschland ankam, plante ich konkret, trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten, wieder ins Studium einzusteigen. Ich habe den Integrationskurs besucht und mit besten Noten abgeschlossen, was aber nur der Anfang des Wegs zum Studium war. Ich habe nämlich noch 6 Monate danach Deutschkurse auf meine Kosten besucht, neben denen ich jobben musste, bis ich letztendlich die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang mit dem besten Ergebnis bestanden habe. Mit den überdurchschnittlichen TestAS-Noten (Test für ausländische Studenten in Naturwissenschaften und IQ-Test) konnte ich zudem meine Qualifikation besser nachweisen und meine Chancen auf eine Zulassung verbessern.
   Dann habe ich endlich die Zulassung zum Medizinstudium am Universitätsklinikum Eppendorf- Hamburg mit großer Freude erhalten und das Studium da macht mir viel Spaß und ich habe das Gefühl, meinen Traum wieder verwirklichen zu können, auch wenn ich wegen unvollständiger Anrechnung meiner Vorleistungen in Syrien nun hier in Deutschland mit dem 1. Semester wieder von vorne anfangen soll. Das Studium am UKE macht mir viel Spaß. Am UKE studiert man in einem ›neuen‹ Bildungssystem des Medizinstudiums, was als Modellstudiengang bezeichnet wird, wobei jedes Semester aus 2 Modulen und einem ›2nd Track‹ besteht. Im Modul lernen wir die grundlegenden Stoffe, wie Anatomie, Physiologie etc. Hier steht man immer unter Zeitdruck und muss die Klausur anschließend direkt ohne Vorbereitungspause schreiben, was heißen soll, dass man alles jeden Tag frisch lernen sollte, was wiederum in der Regel nicht gelingt, da man ja fast immer ab 8 Uhr Vorlesung und bis 18 Uhr Praktika hat. Wir lernen deswegen meistens sehr intensiv am Wochenende. Dies finde ich schon stressig aber macht gleichzeitig Spaß. D. h. es interessiert mich was ich mache, und deswegen spüre ich das Ganze als positiven Stress. Und einfach wäre ja auch langweilig.
Im sog. ›2nd Track‹ geht es um wissenschaftliches Arbeiten in verschiedenen Bereichen der Praxis und Forschung, wobei man sich einen Bereich in jedem Semester aussuchen kann (und muss). Daher also Pflichtwahlfach genannt. Hier ist alles meist entspannter, was Prüfungen und Anwesenheit angeht.
   Ich habe das Ziel, Neurochirurg zu werden, weil es ein anspruchsvoller Bereich ist, wo das genaue Arbeiten alles ausmacht und wo es viele Forschungsmöglichkeiten gibt, und das ist schon faszinierend.

 


 

Tobias Niemeyer (22)

Ich studiere im sechsten Semester Sozialökonomie. Für das Studium, das ich direkt nach dem Abi angefangen habe, habe ich mich damals aus zwei Gründen entschieden, die beide mit der Interdisziplinarität zusammenhängen: Zum einen finde ich es schön, Gesellschaft aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, zum anderen fand ich die Gelegenheit gut, erstmal in verschiedene Fachrichtungen hinein zu schnuppern, bevor ich mich auf eine davon spezialisiere. Dabei habe ich mich für den VWL -Schwerpunkt entschieden, weil mich dieser Grundkurs am meisten interessiert hat. Neben dem Studium engagiere ich mich ehrenamtlich in der Politik und in meinem Sportverein und arbeite als Mikroökonomie-Tutor bei uns am Fachbereich. Derzeit bewerbe ich mich für verschiedene VWL-Masterstudiengänge in Deutschland. Ein Auslandssemester, das ich im Bachelor leider nicht untergebracht bekommen habe, möchte ich im Master nachholen.
 
 
 
 
 


 

Kritische Stimmen

 

  • Die Interdisziplinarität findet oft leider nur dadurch statt, dass man die verschiedenen Kurse hat und selbst Verbindungen herstellt. Einzelne Dozenten stellen ab und an interdisziplinäre Bezüge her, aber im Großen und Ganzen wird eher monodisziplinär unterrichtet.
  • Es hat mich oft gestört, dass der Studiengang zwar interdisziplinär aufgebaut ist, die Kurse an sich aber nicht wirklich interdisziplinär sind. Ich fände es schön, wenn die vier Bereiche stärker zusammenarbeiten würden und auch übergreifende Kurse anbieten würden.
  • Der English Foundation Course ist eigentlich dazu gedacht, denjenigen, die aus der Schule nicht die nötigen grundlegenden Englischkenntnisse mitbringen, um gut durch das Studium zu kommen, zu helfen. Tatsächlich ist es aber so, dass am Anfang ein Aufnahmetest gemacht wird und nur die besten in den Kurs kommen. Es kommen also nur diejenigen an einen Platz, die den eigentlich gar nicht nötig haben.
  • Zu viele Seminare im UKE mit Anwesenheitspflicht, in denen wiederholt wird, was man in der Vorlesung und im Praktikum schon gehabt hatte und dabei weniger Zeit für Selbstlernen (was ja letztendlich für Prüfung entscheidend ist)
  • Das Schlimmste: man weiß immer zu Beginn des Modul gar nicht, was man überhaupt für ein Buch lernen sollte.
  • Im Kurs ›Völkerrecht und Menschenrechte‹ wurden verschiedene Gastlektoren eingeladen und wir haben als Kurs den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag besucht und den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg. Diese Besuche haben uns geholfen, ein besseres Verständnis für den Themenbereich zu erlangen. Ich fände es wünschenswert, mehr Interaktionen mit der Wirtschaft in das Studium zu integrieren. Gerade weil es für viele schwer vorstellbar ist, was man mit Sozialökonomie später ›macht‹.
  • Die Verteilung der Vorlesungen ist nicht gut geplant; z. B. wurde eine Vorlesung von zwei Dozenten gleichzeitig unterrichtet – das ist nicht flexibel für die Studierenden.
  • Was ich am Studium am UKE besonders gut finde, ist der große klinische Praxisbezug schon ab dem 1. Semester, die sehr guten Präparate in allen Kursen und Praktika und die Bibliothek mit ziemlich großem Angebot, verglichen mit anderen Bibs anderer Unis.
  • Mir gefällt es gut, dass ich mir sehr frei mein Studium gestalten kann, meine Vorlesungen frei wählen und Auslandssemester bequem einbauen kann.
  • Das Niveau der Kurse aus dem ersten Jahr war wirklich sehr niedrig, was mich schon sehr demotiviert hat. Und es ist meiner Meinung nach auch ein Grund für das teilweise schlechte Image des Studiengangs (jedenfalls an der Uni Hamburg) ist. Ich unterstütze die Idee eigentlich sehr, dass auch Nicht-Abiturienten das Studium beginnen können, doch meiner Meinung nach sollten die Abiturienten dadurch nicht leiden. Vielleicht könnte man das Studium ja umbauen, sodass Mathe 1 & 2 beispielsweise extra angeboten werden.
  • Die Lage vom UKE in Eppendorf ist ja von allem weit weg (außer, man wohnt im teuren Eppendorf oder Eimsbüttel) und keine U- oder S-Bahn erreicht es, sondern nur noch Busse. Obwohl ich ziemlich zentral in Wandsbek wohne, brauche ich 1 Std zum UKE.
  • Wegen Brandschutzvorschriften wurden die Tische und Stühle im Foyer entfernt außerdem schließt der Hausmeister die Räume im VMP 9, die gerade nicht benutzt werden ab und vertreibt Studierende, die sich dort zum Lernen getroffen haben. Insbesondere in der Klausurenzeit gibt es dadurch zu wenig Möglichkeiten, sich zum gemeinsamen Lernen auf dem Unigelände zusammenzusetzen.
  • Die Mensa ist mit 4–6 Euro für ein Gericht ziemlich teuer, außer man isst Pasta.