Deutschlandstipendium

 

Die GdFF – Gesellschaft der Freunde und Förderer des Fachbereichs Sozialökonomie (vormals HWP) e.V.
fördert im Jahr 2019 drei Studierende mit Migrations-/Fluchterfahrungen im Rahmen des Deutschlandstipendiums.

 

Weitere Infos gibt es im Informationsflyer der Universität Hamburg.

 

 

 

 

Das erste Treffen mit den Stipendiaten fand
im Rahmen der Verleihungsfeier am 7. Februar 2019 statt.

 

 

 

Unsere Stipendiaten 

Filmon Isac

Eine einleitende Geschichte meines Lebens

Ich bin 1983 in Adigeba, in Eritrea geboren. Das ist ein Dorf mit weniger als tausend Einwohnern. Mein Vater hat als angelernter Krankenpfleger gearbeitet. Meine Mutter hat sich um die Familie mit fünf Kindern gekümmert. Die Schule hat mir sehr viel Freude gemacht, auch weil ich immer zu den besten Schülern in meiner Klasse gehörte. Mit meinen Noten wäre es normal gewesen, auch das Abitur zu machen. Dies kann man aber nur in einem Militärcamp machen, weil das Militär im ganzen Land nur Schüler das Abitur machen lässt, wenn sie an einem militärischen Training teilnehmen und später Soldat werden. In dieser Zeit wurde ich krank und konnte an diesem Militärdienst nicht weiter teilnehmen. Es wurde mir zweimal verweigert, das Abitur zu machen. Einmal in der 12. Klasse im Militärlager Sawa und ein zweites Mal nach 3 Jahren Gefängnis und Folter wegen Fluchtversuchs. Meines Wissens bin ich der einzige meines Jahrgangs mit guten Noten, der kein Abitur machen durfte.

2011 floh ich nach 4,5 Jahren Zwangsdienst nach Äthiopien. Dort bekam ich durch eine erfolgreiche Eingangsprüfung die Hochschulzugangsberechtigung und studierte ein Semester BWL. Die Studienbedingungen und meine persönliche Situation waren dort aber so schlecht, dass ich mich entschied, meine Flucht fortzusetzen. Ich floh weiter in den Sudan, von wo ich nach zwei Jahren weiter über die Sahararoute und Libyen über Italien nach Deutschland floh.

Im August 2015 kam ich nach Hamburg. Mein Asylantrag wurde im Februar 2016 positiv beschieden, so dass ich einen Integrationskurs machen konnte. Im September 2016 bekam ich das Zertifikat. Im August 2016 schrieb ich mich bei Kiron Open Higher Education ein, einem Online- Studium für Geflüchtete. An der Universität Hamburg machte ich 2016/17 das von #UniHHhilft angebotene propädeutische Vorbereitungsjahr und lernte gleichzeitig selber weiter Deutsch und bekam im Februar 2017 zunächst nur einen B1-Kurs. Anfang 2017 musste ich feststellen, dass meine Voraussetzungen wahrscheinlich für einen Zugang zum Studium nicht ausreichen würden. Ich begann über W.I.R. intensiv nach einer Ausbildung zu suchen und machte ein Praktikum. Als ich dann zu Beginn des SoSe 2017 von der Möglichkeit erfuhr, über eine Prüfung im September 2017 Sozialökonomie zu studieren, setzte ich alles daran, mich auf diese Prüfung vorzubereiten, denn es war meine einzige Chance, ohne Abitur und Berufsausbildung noch studieren zu können. Ich habe mich beständig intensiv vorbereitet und im September 2017 die Prüfung bestanden. Im März 2018 kam endlich die Zusage zum Studienplatz ab SoSe 2018.

Das Studium ist für mich eine maximale Herausforderung, da ich gleichzeitig noch weiter Deutsch lernen muss, vor allem jetzt im ersten Jahr. Ich benötige meine ganze Zeit zum Lernen und zur Teilnahme an Tutorien. Angeregt von Ihrem Hinweis, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema für Sie als Deutschlandstipendium ist, habe ich angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich kann das Erfahrungswissen einbringen, was es bedeutet, in einem Land aufzuwachsen, in dem Nachhaltigkeit gar kein Rolle spielt, weil sich die allermeisten Menschen in Eritrea nur mit dem Thema »Überleben« beschäftigen. Eritrea ist ein Land, in dem die Menschen sich nicht frei entwickeln können. Dort ist die Natur seit Jahrzehnten nicht geschützt worden. Um das tägliche Überleben zu sichern, werden immer mehr Bäume abgeholzt. Die Böden haben keine Möglichkeit mehr, Wasser zu speichern; Erosion in großem Ausmaß ist die Folge. Die Wüste erobert mehr und mehr unseren Lebensraum.

Seit Beginn meines Studiums erhalte ich zum Glück Bafög. Aber auch dann bleibt mir nach Abzug aller Kosten nicht wirklich genug zum Leben. Weil ich über 30 Jahr alt bin, zahle ich für meine Krankenversicherung das Doppelte der normalen Studentenkrankenversicherung. Lernmaterialien konnte ich mir nur sehr begrenzt leisten. Aber ein Stipendiat des Deutschlandstipendiums zu sein, finde ich eine praktische finanzielle Unterstützung, mein Studium ohne finanzielle Probleme weiter zu machen. Vor allem ich bin damit extra motiviert.

Ich bekomme mit dieser Möglichkeit zu studieren eine einmalige Chance geboten, schätze das sehr und bin wirklich dankbar dafür. Darum möchte ich alles daran setzten, das Studium erfolgreich zu absolvieren. Bisher habe ich trotz vieler Schwierigkeiten im Hintergrund alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Neben meiner Vorbereitung für das Studium hatte ich bei ›Plan International‹, einer Hilfsorganisation für Kinder in der Dritten Welt als Aushilfe gearbeitet. Das war eine gute Erfahrung für mich. Obwohl es ein Minijob war, hat die Arbeitsmöglichkeit allgemein mir viel Freude gemacht.

Ehrenamtliches Engagement in Deutschland

In meiner Heimat war es mir leider nicht möglich, mich ehrenamtlich für meine Ziele einzusetzen, weil der Staat dort alles unter Kontrolle haben wollte und selbstständiges Handeln verboten war.

In Deutschland habe schon nach zwei Monaten, in denen ich noch gar kein Deutsch konnte, mit meinem Englisch am Projekt »Über den Tellerrand kochen« in Wilhelmsburg teilgenommen. Und habe dann Stück für Stück mehr und mehr mein Deutsch dort erprobt. Wir haben uns in gemeinsamen Kochabenden über unseren unterschiedliche Küchen und Kulturen ausgetauscht. Hierzu ein Film. Da habe ich beim Einladen von Teilnehmer/innen und der Organisation des Kochabends geholfen. Es war eine sehr gute Möglichkeit für kulturellen Austausch und eine wunderbare Chance, die deutsche Sprache durch einen Tandempartner zu lernen. Meine Sprach-Tandempartnerin, die ich in 2015 dort bei einem gemeinsamen Kochabend kennengelernt habe, hat mich bis zu meiner Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung (2017) für das Studium sprachlich und auch moralisch sehr viel unterstützt. Beim Projekt ›Landungsbrücken für Geflüchtete‹ der Bürgerstiftung Hamburg habe ich teilgenommen (2016). Die Mitwirkung im Projekt der Universität Hamburg und UKE und beim ›Gartendeck‹ St. Pauli sind auch andere Beispiele, bei denen ich freiwillig teilgenommen habe.

Während meines Studiums nutze ich jede Chance, an Treffen mit anderen Flüchtlingen und Deutschen teilzunehmen, um über Sprachlernmethoden, Ausbildung, Studium und Arbeitsmöglichkeiten zu diskutieren und um die anderen Studierenden mit Flüchtlingshintergrund zu motivieren, nicht aufzugeben. Derzeit habe ich noch nicht entschieden, auf welche Art und Weise und in welchem Feld ich mich in Zukunft, dauerhaft und nachhaltig engagieren will. Denn derzeit geht alle meine Kraft in das Studium. Aber das ist ein wichtiges Thema für die nähere Zukunft.

 


Mohammed Abd Alhafeez

Anfang des Jahres 2014 kam ich nach Deutschland und arbeite seither motiviert an meiner Integration: Spracherwerb, Fortbildungen sowie ehrenamtliches Engagement sind hierbei für mich selbstverständlich. 2016 habe ich in einem Orientierungskurs (›UHH hilft‹) in der Uni Hamburg teilgenommen und dort habe ich über den Fachbereich Sozialökonomie informiert und es hat mir sehr gut gefallen.

Ich habe zum Wintersemester 2017/2018 das Studium der Sozialökonomie an der Universität Hamburg aufgenommen. Dabei bin ich besonders stolz, seit diesem Jahr Träger des Deutschlandstipendiums zu sein. Durch die Unterstützung kann ich meine Zeit in meinem Studium investieren. Und so möchte ich allen Stipendiengebern und insbesondere der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Fachbereichs Sozialökonomie (vormals HWP) e.V. (GdFF) Verein ganz herzlich dafür danken.

Ich finde der Fachbereich sehr interessant und vielfältig, er setzt sich aus den vier Fachgebieten Betriebswirtschaftslehre, Soziologie, Recht und Volkswirtschaftslehre zusammen. Außerdem bietet der Studiengang eine gute Grundlage für eine spätere Berufstätigkeit sowie für die Fortsetzung des Studiums in einem Masterstudiengänge.

 


Mohammad Allila

Ich bin 1991 in Damaskus.Syrien geboren und dort aufgewachsen. Ich habe mein Studium „Ökonomie“ in Syrien in 2010/2011 angefangen. Weil ich für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte demonstriert habe und gegen den Diktator war, konnte ich mein Studium nicht abschließen, da in meinem Heimatland wenn man gegen Diktator ist, dann bekommt sofort am besten Fall ein Todesurteil oder wird man bis zum Tod gefoltert. Deshalb musste ich unter solchen bedrohlichen Situationen mein Studium abbrechen und mein Heimatland verlassen.

Seit meinem ersten Tag in Deutschland habe ich geplant zu schaffen, was ich in meinem Heimatland nicht schaffen konnte und habe sofort mit der deutschen Sprache angefangen bis ich im Februar 2018 mein C1 Telc-Hochschule erfolgreich abgeschlossen habe. Von Mai 2018 bis September 2018 habe ich gearbeitet und mich gleichzeitig an der Universität Hamburg beworben. Ich habe von einer gesetzlichen Ausnahme profitiert, dass ich einen unbefristeten Aufenthalt erhalten habe. Außerdem arbeite ich seit 2018 bis heute ehrenamtlich in Bereich von Integration in Harburg. Im Oktober 2018 habe ich den ersten Schritt auf dem Weg meines Zieles geschafft und habe noch viele Wünsche für die Zukunft.

Dank der ›Gesellschaft der Freunde und Förderer des Fachbereichs Sozialökonomie‹ und dem ›Deutschlandstipendium‹ habe ich ein Stipendium bekommen – das war für mich eine klare Nachricht, dass Sie mich dabei fördern, mein Ziel zu erfüllen.

 


 

Unsere DeutschlandstipendiatInnen 2018 finden Sie / findet ihr hier.